Nothilfe im Ratten-Haus: „Sämtliche Schlafzimmer waren mit Nestern besetzt.“

Klar, Lebensmittelsicherheit und Betriebshygiene sind Grundpfeiler unserer modernen Gesellschaft. Jedoch befassen sich Schädlingsbekämpfer nicht nur mit permanenten, übergeordneten Zielen. Jedem, der Hilfe braucht, wird geholfen. Von einem wahrlich unvergesslichen Einsatz in einem Vorort berichtet heute Tim Rietkötter, Inhaber der Firma DETEK Schädlingsbekämpfung GmbH.

Waren Sie schon einmal Retter in letzter Sekunde?

Mehrfach! Aber eine Sache werde ich nie vergessen. Ich wurde zu einem Auftrag gerufen, bei dem es hieß: „Die Mieter eines Hauses melden immer wieder Ratten. Schauen Sie sich das mal bitte an.“
Okay. Ich fahre hin und denke mir nichts Böses, weil es viele solcher Meldungen gibt. Aber als ich an der Tür des Mietshauses klingelte, der Familienvater mir die Tür öffnete und mir beinahe schon um den Hals fiel, dass ich endlich da bin, kroch es mir schon in die Nase. Ein Duft, den man als Schädlingsbekämpfer kennt. Ratten. Aber das in einem Ausmaß, welches ich so noch nie erlebt habe. Das vermietete Einfamilienhaus war von den Nagern so sehr in Beschlag genommen, dass die fünfköpfige Familie bereits in das Wohnzimmer ziehen musste. Dort haben sie mit Handtüchern, Dachlatten und sonstigen Materialien die Türe abgesichert, um dort nächtigen zu können.
Sämtliche Schlafzimmer waren mit Nestern besetzt. Alle Türen im Haus waren an den Ecken aufgenagt. Überall waren Schmierspuren der Laufwege zu erkennen. Das komplette Haus war so kontaminiert, dass eigentlich bereits so eine Gesundheitsgefährdung herrschte, dass dort unmöglich jemand wohnen konnte.


„Bei der Inspektion stellte ich einen Defekt an der Abwasserleitung im Keller fest.“ – Tim Rietkötter

Bei der Inspektion stellte ich einen Defekt an der Abwasserleitung im Keller fest, wodurch die Tiere in das Haus gelangten. Ab hier nahm das Spielchen seinen Lauf. Die Nager nahmen nach und nach immer mehr Wohnraum ein. Hilferufe der Familie wurden ignoriert. Durch Leitungsschächte und im Nachhinein auch dann über das Treppenhaus haben sich die Tiere immer mehr hervorgetraut, durch Wände und Türen genagt und schließlich das Wohnhaus eingenommen. Mir sind bestimmt 30 Tiere allein während der Eingangsinspektion über die Füße gelaufen.

Hier half nur noch eine massive Schlagfallen- und Ködermaßnahme, um dem Problem erst einmal Herr zu werden.
Ich leitete alles in die Wege, dass die Familie auszog und woanders unterkam, um mit den Arbeiten zu beginnen. Ganze 6 Wochen hat es gedauert, bis keine neuen Spuren mehr zu finden waren. Die Kadaver habe ich irgendwann aufgehört zu zählen.
Nachdem das Haus rattenfrei war konnte ich mit dem Sanitärinstallateur die Ursache beheben. Hier war mein Job erledigt. Ich habe noch mitbekommen, dass das Haus quasi kernsaniert wurde. Das war auch nötig. Die Reinigung, Entrümpelung und Desinfektion hat an dieser Stelle eine Fachfirma übernommen. Diese Geschichte vom „Rattenhaus“ werde ich nie vergessen. Das Bild der verdrängten, hilflosen Familie mit Kindern hat sich eingebrannt. Die Dankbarkeit der Familie mir gegenüber war groß. Wenn ihr diesen Job nicht täglich draußen macht, könnt ihr euch keine Vorstellung machen, was es heißt Schädlingsbekämpfer zu sein.

Was lieben Sie an der Arbeit eines Schädlingsbekämpfers am meisten?

Ich liebe den Beruf des Schädlingsbekämpfers, weil er so abwechslungsreich und wirklich herausfordernd ist. Hier ist kein Tag wie der andere, wenn du draußen bist und deine Mission, die Welt ein wenig schädlingsfreier zu machen, nach außen trägst.

Wir sind keine stumpfen Fallenaufsteller, wir sind nicht die Rattenfänger, die oft als solche belächelt werden. Nein! Wir sind Helfer in der Not, wir sind Detektive, Spürnasen, wir sind Ratgeber, wir sind Seelsorger, wir sind Partner in Crime, wenn es um Rettung vor Geschäftsschließungen geht, wir sind das Abwehrschild diverser Industrien. Wir sind Helden im Dunklen, die nicht gesehen werden. Wären wir nicht da und würden den Job erledigen, den kaum einer machen möchte, würde so einiges im Chaos versinken.

„Wir sind Helfer in der Not …“ – Tim Rietkötter

Ich liebe es einfach Zusammenhänge zu erkennen, die zum Erfolg führen. Zusammenhänge, die sonst keiner sieht. Die offene aber auch stille Anerkennung unserer Kunden, eines gut gemachten Jobs ist das was mich tagtäglich antreibt.

Tim Rietkötter

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