„Traut euch, in die Digitalisierung zu investieren!“

Daniel Krämer (49) steht seit über 30 Jahren als Schädlingsbekämpfer für unsere Lebensmittelsicherheit ein. Mit seinem eigenen, berliner Unternehmen MIBABS Schädlingsbekämpfung setzt Krämer einen starken Fokus auf Qualitätssicherung und intensive Einbindung seiner Kunden. Mit traplinked spricht der Schädlingsbekämpfungsexperte über Qualitätssteigerung, Weiterbildung, unrealistische Erwartungen und Digitalisierung.

Meine Eltern sind beide Köche und wollten dann natürlich, dass ich in ihre Fußstapfen trete. Hätte ich auch wirklich gern getan – aber ich kann bis heute leider einfach nicht alles gut kochen.

Damals waren immer wieder Schädlingsbekämpfer in der Küche meiner Eltern. Die Schädlingsbekämpfer waren gesellige Leute, die alle gekannt haben, immer gute Geschichten auf Lager hatten und gutes Geld verdienten. Dieses Berufsbild schien mir daher einfach eine gute Wahl.

Den echten Reiz und Spaß an der Arbeit des Schädlingsbekämpfers habe ich erst später erkannt – Tiere gern zu töten gehört auf jeden Fall nicht dazu.
Der Alltag besteht aber aus viel mehr als dem Bild, dass die Kunden oft von uns haben. – Digitale Auswertungen, strategische Beratungen der Qualitätsmanager, Kamerafahrten und Wärmeentwesungen sind hier nur ein paar Beispiele. Und das macht mir wirklich Spaß!

Wie wichtig ist die Qualitätssicherung in der Schädlingsbekämpfung?

Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens, gilt auch in der Schädlingsbekämpfung: Qualität statt Quantität. Nur durch Qualität schafft man es einen Befall zu tilgen. So kann mit minimaler Besuchsintensität maximaler Kundenerfolg erreicht werden. Schlechte Qualität hat viele Folgen: Es schädigt den eigenen Ruf und den des Kunden und senkt durch immer höheren Aufwand den Ertragswert der Arbeit. Aktive Interaktion und Kommunikation mit dem Kunden über Strategien und Ansätze sind der richtige Weg.

Um Qualität zu verbessern, gibt es viele Möglichkeiten: Checklisten, genaue Befallsanalysen und natürlich das Einfordern der Mithilfe des Kunden. In der Ratten-Bekämpfung zum Beispiel muss nach maximal vier Kundenbesuchen eine Auswertung erfolgen, warum der Fall noch nicht abgeschlossen ist. Um den Befall nachhaltig zu bekämpfen, erachte ich es als essenziell, Ursachenbekämpfung und Mängel-Beseitigung anstatt nur Befallsbekämpfung zu betreiben – das Problem muss an der Wurzel gepackt werden.

Das klappt nicht mit immer mehr Gift, sondern mit einer ordentlichen Portion an Wissen über das jeweilige Objekt und seine Tücken. Auch die eigenen Mitarbeiter sollen sich mit Hilfe von Schulungen weiterentwickeln können. Mir ist bewusst, dass das eine hohe Investition darstellt. Diese lohnt sich in meinen Augen jedoch immer, wenn den Mitarbeitern dadurch neue Werkzeuge für ihren Alltag an die Hand gegeben werden.

Probleme in der Schädlingsbekämpfung und wie wir sie lösen können

Qualität statt Quantität – diese Aussage habe ich schon bei der letzten Frage gemacht. In der Branche kommt häufig das Gefühl auf, es gehe vorrangig um Quantität.

Dieses Problem kann aus meiner Sicht nur durch den Geschäftsführer des Schädlingsbekämpfungsunternehmens gelöst werden. In der Firma müssen die Qualitätssicherung und die Möglichkeiten zur Weiterbildung durch Schulungen im Fokus stehen. Qualität und Umsatz korrelieren miteinander und anfangs muss zunächst Qualität statt Umsatz im Vordergrund stehen. Der Kunde muss bestmöglich eingebunden und informiert sein in die Aktivitäten, die in seinem Objekt stattfinden. Erst dann versteht dieser die Komplexität des Arbeitsalltags eines Schädlingsbekämpfers – dieser besteht nämlich mehr als aus dem Aufstellen und Öffnen einer Box.


Die Erwartungen an den Schädlingsbekämpfer sind oft unrealistisch: 130 Kontrollpunkte in 2 Stunden zu kontrollieren ist in guter Qualität nicht machbar. Abschlussgespräche kommen zu kurz oder gar nicht geführt. Diese sind allerdings ein wichtiger Bestandteil des Einsatzes und müssen wieder mehr in den Fokus gerückt werden.

Das muss man auch dem Nachwuchs mit Nachdruck vermitteln. Die Situation rund um den Nachwuchs allerdings ist leider besorgniserregend. Wir müssen die Schulen bei der Vermittlung verschiedener Berufsbilder unterstützen, die auch mal nicht der Norm entsprechen, Praktika für SchülerInnen anbieten und die Begeisterung für unseren Beruf nach außen hin zeigen. Es braucht mehr Werbung für den Job. Die bereits erwähnten Praktika kosten den Betrieb nicht viel, der Jugend ist geholfen und wenn der Job gefällt und die Person bleibt, hat die Branche gewonnen. Wenn nicht, weiß die Gesellschaft mehr über die Tätigkeiten der Schädlingsbekämpfung. Eine Win-Win-Situation also.

Licht am Ende des Tunnels: Positive Trends

Ich freue mich über das Voranschreiten der Digitalisierung in der Branche! Diese bedeutet höhere Qualität und die IFS 7 ermöglicht uns neben höherer Eigenverantwortung einen Beraterstandard zu erreichen und auf lange Sicht unser Image zu wechseln.

Ich appelliere ebenso an die Branche: Traut euch in die Digitalisierung zu investieren! Sie kann viel Arbeit in der Permanentüberwachung abnehmen und den Arbeitsalltag sehr sinnvoll unterstützen. Sie macht die tägliche Arbeit effizienter, ohne uns als Spezialisten überflüssig zu machen.

Daniel Krämer

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